Industry News

Interview: "BahnMarkt.EU" und "Appavis.com" – Service-Portale für die Bahnbranche

Interview: "BahnMarkt.EU" und "Appavis.com" – Service-Portale für die Bahnbranche

Seit fünf Jahren ist das Ausschreibungsportal "BahnMarkt.EU" aktiv. Vor einem halben Jahr startete "Appavis.com" als Kapazitäten-Portal. Ziel beider ist es, Unternehmen der Bahnbranche effiziente und vernetzte Werkzeuge für ihr erfolgreiches Business an die Hand zu geben. Auf der Internationalen Ausstellung für Fahrwegtechnik (iaf) in Münster werden sich beide als Gast am Stand von Eurailpress (Halle 3, Stand 303) präsentieren. Im Vorfeld sprachen wir mit den beiden Verantwortlichen Ulrich Knöll (BahnMarkt.EU) und Ralf Hacker (Appavis.com) über ihre Produkte und ihre Erwartungen.

Ulrich Knöll, BahnMarkt.EU

Eurailpress: Herr Knöll, Ihr Ausschreibungsportal "BahnMarkt.EU" ist seit fünf Jahren online. Wie steht es um die Resonanz in der Branche?

Knöll: Im Bereich der Gleisinfrastrukturbauer sind wir sehr gut aufgestellt. Es gibt nur noch wenige Gleisbauunternehmen, die noch nicht ihre täglichen Projektinformationen von "BahnMarkt.EU" beziehen. Bei den zahlreichen Zulieferern von Baustoffen, Gleisbaumaterialien oder den klassischen Subunternehmern könnte die Resonanz allerdings besser sein. Zu unseren Kunden zählen im Übrigen seit Jahren auch viele namhafte Planungsbüros, die erkannt haben, wie sie ihre tägliche Arbeit damit wesentlich beschleunigen können.

Eurailpress: Was beinhaltet Ihr Service, was macht das Portal aus?

Knöll: "BahnMarkt.EU" ist das einzige Portal im deutschsprachigen Raum, das eine Kombination aus Unternehmensdirectory und aktuellen Projektinformationen bietet. Unsere Projektinformationen versorgen die aktiven Nutzer zweimal täglich per E-Mail mit allen öffentlich verfügbaren Ausschreibungen aus einer Vielzahl von Quellen nach einem individuellen Suchprofil.

Eurailpress: Bieten das nicht andere Servicedienste auch?

Knöll: Richtig, das ist nicht exklusiv. Exklusiv aber sind die intelligenten Verknüpfungen jeder aktuellen Ausschreibung. Das nennen wir Branchenkontaktsystem und dies ist die Triebfeder und das Herzstück unseres Portals. Hier wird jede Ausschreibung mit den dort geforderten Baustoffen und Leistungen verlinkt. Das heißt konkret: Der Kalkulator eines Leistungsverzeichnisses bekommt ohne weiteres Suchen direkt angezeigt, wer z.?B. Betonschwellen liefert. Er bekommt potentielle Lieferanten angezeigt und kann mit einem Mausklick an alle eine Preisanfrage in wenigen Sekunden starten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Kalkulator hat eine hohe Markttransparenz und die Chance, optimale Einkaufspreise zu erzielen und damit sein Angebot wettbewerbsfähiger zu gestalten. Darüber hinaus recherchieren wir auch aktuelle Submissionsergebnisse, Auftragsvergaben und dokumentieren laufende Bauvorhaben. Diese Informationen können nach einer Vielzahl von Kriterien durchsucht und individuell abgerufen werden.

Eurailpress: Mit der Resonanz Ihres Dienstes bei den Baustoff- und Produktlieferanten sind sie noch nicht zufrieden. Was halten Sie für diese Kundengruppe denn bereit?

Knöll: Wir haben dafür den Begriff der aktiven Akquise kreiert. Und das bedeutet vor allem, dass die Hersteller und Händler von Baumaterialien, seien es Schienen, Schwellen, Schotter, Haltestellenausstattungen, Bahnsteige oder dergleichen, nicht mehr wie früher warten müssen, bis Auftraggeber ihre Anfragen stellen. Wir liefern mit "BahnMarkt.EU" wertvolle Informationen, um bei potentiellen Auftraggebern selbst mit Vertriebsbemühungen aktiv werden zu können. Potenziellen Ausschreibungsteilnehmern kann man hier sein Interesse als Lieferant mit einem Mausklick offerieren. Oder brandneue Submissionsergebnisse nutzen, um den eigenen Vertrieb zu aktivieren und mit den chancenreichsten Bietern Kontakt aufzunehmen, bevor die Konkurrenz davon erfährt.

Eurailpress: Planungsbüros gehören auch zu Ihren Nutzern. Was ist für diese Gruppe bei "BahnMarkt.EU" wirtschaftlich interessant?

Knöll: Zum einen erhalten sie bei uns alle aktuellen Ausschreibungen nach ihrem individuellen Suchprofil und ersparen sich damit die eigene zeitaufwendige Recherche. Wichtiger ist aber das Werkzeug der Suche nach potentiellen Lieferanten, Produkten und Ausschreibungstexten, welche in die Erstellung von Planungen und Leis-tungsverzeichnissen einfließen sollen. Diese können aus dem Portal generiert werden, ohne sich mühsam durchs Internet zu googeln. Des Weiteren haben alle Planer die Möglichkeit, ihre Ausschreibungen kostenlos zur Veröffentlichung einzustellen und erreichen damit nahezu alle potentiellen Auftragnehmer. Schließlich bieten wir auch für beschränkte und freihändige Ausschreibungen besondere Tools, indem der Planer aus der Unternehmensdatenbank jene Unternehmen auswählen kann, die er für seine Ausschreibung einbeziehen und zur Angebotsabgabe nutzen möchte; strukturiert z.?B. nach Referenzen oder nach Regionen. Er kann das Leistungsverzeichnis als Attachment an beliebig viele Unternehmen mit einem Klick versenden und erspart sich damit jährlich eine Menge an Porto- und Kopierkosten sowie an Zeit.

Eurailpress: Herr Knöll, Sie bieten Ihren Nutzern, wie sie sagen, exklusive Services. Sind die Konditionen auch entsprechend exklusiv?

Knöll: Nein, im Gegenteil. Mit einer Nutzungspauschale von umgerechnet gut 4 EUR täglich offerieren wir jedem aktivem Unternehmen der Bahnbaubranche eine so niedrige Eintrittsschwelle, dass der Nutzen den Aufwand bei weitem überwiegt. Je mehr aktive Nutzer wir im Übrigen haben, umso wertvoller werden die Inhalte des Portals und damit auch so unverzichtbarer für die Branche. Wer uns noch nicht kennt, sollte uns auf der iaf in Münster besuchen, um sich in einem persönlichen Gespräch von den vielen Vorteilen einer Portalnutzung selbst zu überzeugen. Wir freuen uns auf einen regen Zulauf.

Ralf Hacker, Appavis.com

Eurailpress: Herr Hacker, nun zu Ihnen. Sie präsentieren sich mit dem Portal "Appavis.com" ebenfalls auf der iaf in Münster. Was versprechen Sie sich davon?

Hacker: Die iaf ist neben der InnoTrans "das" Ereignis im nationalen und internationalen Bahnsektor. Das Kapazitäten-Portal Appavis.com ist Ende vergangenen Jahres gestartet und damit noch relativ jung. Ich möchte die iaf nutzen, um den Messebesuchern die Möglichkeiten des Portals zu erläutern, Wünsche und Anregungen zu erfahren und neue Kontakte zu knüpfen. Und natürlich auch, um den Bekanntheitsgrad und Nutzerkreis des Portals zu erweitern.

Eurailpress: Wie entstand die Idee zu diesem Portal?

Hacker: Aus meiner früheren Tätigkeit im Bereich der Gleisbau-Nachunternehmerbeschaffung. Ein jeder kennt es: Das Unternehmen hat zu wenig oder zu viel Arbeit. Sprich: Frei-Kapazität oder Kapazitätsbedarf. Bei ersterem ist das Unternehmen zumeist dazu verurteilt, zu hoffen, dass es terminlich passende Kapazitätsnachfragen erhält, denn niemand weiter am Markt weiß um die Frei-Kapazitäten. Besteht Kapazitätsbedarf, werden häufig weitgestreute Anfragen versandt, in der Hoffnung terminlich und wirtschaftlich passende Angebote zu erhalten. Und so gleicht die Beschaffung von Kapazitäten mitunter dem "Stochern mit der berühmten Stange im Nebel" - zumal gerade Großmaschinen-Kapazität nicht am Besitzerstandort verweilt. Was lag da also näher, als einen Marktplatz zu schaffen, auf dem sich Angebot und Nachfrage sehen und finden können. Und mit dieser Maxime ging Appavis.com im November 2012 an den Start.

Eurailpress: Hat das Wort "Appavis" eine Bedeutung?

Hacker: Appavis ist ein Wortspiel, zusammengesetzt aus den lateinischen Wörtern appareo (zum Vorschein kommen; sich zeigen) und visus (das Sehen). Die technische Umsetzung des Kapazitäten-Portals hat viel mit diesen beiden Worten gemeinsam: Kapazitäten zeigen – sehen – sich finden.

Eurailpress: Wie funktioniert das Portal technisch?

Hacker: Im Grunde so: Landkarte trifft Kalender. Frei-Kapazitäten und Kapazitätsgesuche erscheinen als Visualisierung auf eigens dafür eingerichteten Landkartenoberflächen. So kann der Interessent sofort die geografische Relation zum eigenen Verwendungsort einschätzen und erspart sich lange Transportwege. Die Landkarten sind darüber hinaus terminlich filterbar. Es lässt sich alles um den Interessenszeitraum herum ausblenden. Der Nutzer pflegt zur Erzeugung eines Kapazitätsangebotes nur einmal seine Technik ein und braucht ab diesem Zeitpunkt künftig nur noch Standort und Terminfenster einzugeben. Frei-Kapazitäten lassen sich so in weniger als 30 Sekunden visualisieren und Internet-weit präsentieren.

Eurailpress: "Appavis.com" verbindet also die Idee des klassischen Marktplatzes mit den modernen Mitteln des Internets?

Hacker: Ja, das kann man so sagen. Und das hat Vorteile. Anlehnend an den klassischen wöchentlichen Marktplatz historischer Städte bilden die Landkarten den Markt virtuell und bundesweit ab. Durch Einbindung der Terminierung ist es möglich, sich jedoch nicht nur auf den aktuellen Markt zu beschränken. Angebot kann also Nachfrage bereits Monate vor Ausführung treffen. Neben den Vorteilen für Anbieter und Nachfrager erschließt sich noch ein weiterer Vorteil: Standortnahe Kapazitätenbindung erspart Transportaufwand und stellt so einen echten Beitrag zum Umweltschutz dar.

Eurailpress: Gibt es zusätzlichen Nutzen?

Hacker: Auf dem Portal findet der Nutzer noch weitere Werkzeuge bzw. Funktionalitäten, die ihm einen wirtschaftlichen Vorteil bringen können. Zu nennen wäre hier ein Chiffre-Werkzeug zum Einstellen Identitäts-neutraler Einträge, ein internes Planungstool mit Ressourcenverbrauchswarner, ein Zuglastenrechner sowie die Möglichkeit zur Firmenpräsentation mit Standortvisualisierung, Gewerkefilter und Homepagelink.

Eurailpress: Was sind die Pläne für die Zukunft, sind Erweiterungen des Portals zu erwarten?

Hacker: Im Bahnbereich "von Arbeitszugführer über Stopfmaschine, Wagenraum bis Zweiwegebagger" sind innerhalb der Menüs "Gleisbautechnik", "Wagenraum" und "Dienstleistungen" diverse Unterkategorien mit jeweils eigenen Landkartenoberflächen angelegt – und natürlich werden Nutzeranregungen berücksichtigt. In der Sondierungsphase ist derzeit die Schaffung einer Kategorie zum Abbilden von Stellgleiskapazität. Langfristig soll sich das Portal nicht auf den Bahnsektor beschränken, sukzessive Erweiterungen um die Bereiche Erdbau, Spezialtiefbau und Hochbau sind in Vorbereitung bzw. angedacht.

Eurailpress: Herr Hacker, Herr Knöll, wir bedanken uns für das Gespräch.

"Je mehr aktive Nutzer wir im Übrigen haben, umso wertvoller werden die Inhalte des Portals und damit auch so unverzichtbarer für die Branche."

"Die Beschaffung von Kapazitäten gleicht mitunter dem "Stochern mit der berühmten Stange im Nebel". - Was lag da also näher, als einen Marktplatz zu schaffen, auf dem sich Angebot und Nachfrage sehen und finden können."